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Herkunft & Familie
Ich wurde am 18. Oktober 1978 in München geboren. Kurz nach der Geburt meines Bruders Marc im Jahr 1980 zog es meine Familie nach Stuttgart. Dort wuchs ich im südlichen Stadtteil Heslach auf und verbrachte später viele Jahre am Marienplatz. Erst 2020, mit der Geburt meiner Tochter, verlagerte sich mein Lebensmittelpunkt nach Karlsruhe-Durlach, wo ich seither lebe.
Die Musik wurde mir buchstäblich in die Wiege gelegt. Mein Vater, Jörn W. Wilsing († 2010), war studierter Opernsänger (Ausbildung in Köln, Salzburg und München) und zum Zeitpunkt meiner Geburt am Münchner Gärtnerplatztheater engagiert. Meine Mutter Gabriele, eine gelernte Schneiderin, hatte an der Münchner Kunstakademie studiert und arbeitete als junge Leitungsassistentin in der Kostümbildabteilung. Dort, beim Opernball 1977, lernten sich meine Eltern kennen und lieben.
Bildung, Suche & Umbruch
Meine schulische Laufbahn begann an der Ernst-Abbe-Schule für Sehbehinderte in Stuttgart-Zuffenhausen. Nach der Realschule folgte das Abitur am evangelischen Mörike-Gymnasium. Obwohl die Musik meine große Leidenschaft war, kam ein klassisches Musikstudium für mich damals nicht infrage. Stattdessen zog es mich ans Theater: Fast drei Jahre lang arbeitete ich am Schauspielensemble tri-bühne in der Verwaltung und Organisation, wo ich gelegentlich auch musikalisch aushalf.
Es folgte eine Phase der Suche. Als wenig motivierter Student verschiedener geisteswissenschaftlicher Fächer an den Universitäten Karlsruhe (TH) und Stuttgart verbrachte ich mehrere Jahre damit, mich selbst zu finden – was mir im akademischen Rahmen jedoch nicht gelang. Ich verließ die Uni ohne Abschluss, wagte dafür den Schritt in die Selbstständigkeit: Ich gründete einen Online-Buchhandel für gebrauchte Schulbücher und arbeitete einem Modehandel-Startup zu.
Anfang 2020 wurde mein Leben durch zwei Ereignisse radikal auf den Kopf gestellt: Die Corona-Pandemie machte Live-Auftritte unmöglich und ließ meine Umsätze im Handel einbrechen. Zeitgleich erreichte mich die wunderbare Nachricht meiner werdenden Vaterschaft – ein Moment, in dem ich mich entschied, mein geliebtes Stuttgart zu verlassen und in Karlsruhe-Durlach ganz neu anzufangen. Nach der Geburt meiner Tochter arbeitete ich drei Jahre in der sozialen Betreuung von Senioren, überwiegend in einem beschützten Demenzbereich. Diese Arbeit war für mich menschlich tief prägend; gleichzeitig half sie mir, meine neue Selbstständigkeit als Pop- & Rock-Eventmusiker Schritt für Schritt aufzubauen. Heute bin ich noch nebenberuflich in einer Tagespflegeeinrichtung in Karlsruhe-Durlach tätig.
Musikalische Kindheit & Jugend
Meine Liebe zur Musik begann am Kassettenrekorder. Schon mit drei Jahren produzierte ich meine ersten „Homerecordings“, indem ich Kinderlieder aufnahm. Mit sechs Jahren erfüllte sich ein großer Wunsch: Mein Vater brachte mir von einer Russland-Tournee meine erste Gitarre mit. Er selbst konnte das Instrument zwar nicht spielen, stimmte mir aber die sechs Nylonsaiten regelmäßig zu offenen, wohlklingenden Dur-Akkorden, auf denen ich meine ersten Melodien probierte. Ich sang mit dem Mikrofon zu Playback-Versionen von Modern Talking oder Nino de Angelo und beschenkte meine Großmütter zu Weihnachten mit selbst aufgenommenen Gesangskassetten.
Ein prägender Einfluss war natürlich die Arbeit meines Vaters. Wenn er in der Weihnachtszeit in der Stuttgarter Staatsoper als Besenbinder Peter in ‚Hänsel und Gretel‘ auftrat, saßen wir Kinder voller Stolz im Publikum. Sein beschwingter Auftritt mit dem Ruf ‚Ralala, ralala!‘ löst noch heute Gänsehautmomente und Tränen der Rührung bei mir aus. Inspiriert davon erklomm ich gerne mal einen Schemel bei abendlichen Grillfesten, um dem Publikum – ganz in Opernmanier mit weit geöffneten Armen – Kinderlieder wie ‚Hänschen klein‘ vorzutragen.
Die Entdeckung des Rock
Mit neun Jahren begann mein klassischer Gitarrenunterricht. Ich war jedoch kein einfacher Schüler; das Spiel nach Noten und die strenge Handhaltung lagen mir nicht. Ich suchte mir eigene Wege, tauschte lieber das Zupfen gegen das Plektrum. Der Durchbruch kam mit 13 Jahren durch einen neuen, erst 17-jährigen Lehrer, der glühender Metallica-Fan war. Es war 1991, das „Black Album“ war gerade erschienen. Elektrisiert von diesen Riffs entdeckte ich meine Liebe zu Rock und Heavy Metal. Mit 14 schrieb ich meinen ersten englischen Song, mit 15 gründete ich meine erste Indie-Rockband OUT OF SINK. Es folgten Alben-Aufnahmen und erste Gigs, auch erste Engagaments als Musiker für Hochzeiten und Weihnachtsfeiern. Mein Fokus lag damals ausschließlich auf eigenen Songs – das Covern war für mich nur eine Randerscheinung.
Krisenjahre & Heilung
In den 2000ern löste sich meine Rockband auf, und die Akustikgitarre wurde zu meinem Hauptinstrument. Ich gründete Formationen wie das Trio STILLBORN (2003–2006) und das energiegeladene Duo WILZWOOD (2005–2011). Doch hinter der Bühne geriet mein Leben aus den Fugen.
Der Alkohol, der mich schon länger begleitete, wurde während meiner Studienzeit zum alles beherrschenden Faktor. Am Ende stand ein täglicher Konsum, der mich vollständig in die Abhängigkeit trieb. Mein Studium war abgebrochen, meine Beziehung am Ende und meine Stimme durch den Missbrauch massiv geschädigt. Im April 2008 zog ich die Reißleine und ging aus eigenem Antrieb in den Entzug.
Dieser Moment war mein persönlicher „Reset-Knopf“. Ich beschloss, mich von fremdem Druck und Urteilen frei zu machen, entdeckte die Meditation und fand durch den Rückzug zu mir selbst. Seit diesem Tag habe ich den Alkohol vollständig aus meinem Leben verbannt.
Solo-Pfade & Alben-Produktionen
Mit der gewonnenen Freiheit reifte der Wunsch nach einem Solo-Projekt. 2009 erlernte ich den Umgang mit Recording-Software, was mir völlig neue Möglichkeiten des Arrangements eröffnete. Zwischen 2012 und 2015 feilte ich an meinem Debütalbum „Reconcile“ (Aussöhnung). Es war ein komplexes Werk mit vielen Gastmusikern, das 2016 beim Label 7US/7MUSIC erschien. Die Single „Silent Chords“ schaffte es in die Playlist von SWR1, und das Magazin Eclipsed wählte das Album unter die Top 100 des Jahres.
Da ich live jedoch meist pur mit Gitarre und Gesang auftrat, wünschte sich mein Publikum ein Album, das genau diesen Sound einfing. So entstand 2019 das Unplugged-Album „Close To Me“ – One Man, One Guitar, One Voice, aufgenommen ohne Schnitte und Schnickschnack.
Heute
Nach den großen Umbrüchen zwischen 2020 und 2022 – dem Umzug nach Karlsruhe, der Vaterschaft und dem beruflichen Neustart – hat sich mein Fokus gewandelt. Die eigene Komposition ist einer tiefen Freude an der Interpretation gewichen. Seit 2023 widme ich mich nun hauptberuflich dem Covern jener Pop- & Rock-Klassiker, die mich mein Leben lang begleitet haben. Ich genieße es mehr denn je, auf der Bühne zu stehen, gesehen und gehört zu werden – so wie damals auf dem kleinen Schemel bei den Grillfesten meiner Kindheit.

Mit 9 Jahres erhielt ich meinen ersten Gitarrenunterricht

Acoustic Rock Trio STILLBORN (Foto: Katja Piolka)
Von links: Andy Wilsing, Marko Sirac (Git), André Spottke (Bass)

Acoustic Rock Duo WilzWood (Foto: Markus Rühle)
Von links: Andy Wilsing, Benni Holz (Bass)

Geburt meiner Tochter 2020

Volkslieder und Schlager:
Auch in der sozialen Betreuung wirke ich musikalisch !

Live on stage 2025 (Foto: Bruno Badina)
Viele Menschen fragen mich nach meiner Sehbehinderung und wie sie mein Leben – und meine Musik – beeinflusst. Ich wurde bereits mit einem angeborenen Grauen Star (Katarakt) auf beiden Augen geboren. Was bei älteren Menschen heute oft ein Routineeingriff mit dem Laser ist, war in meiner Kindheit eine andere Herausforderung: Die Trübung meiner Linsen war nicht wie ein „Beschlag“, der sich entfernen ließ, sondern ein Teil meiner Sehentwicklung von Geburt an. Da die Diagnose erst spät gestellt wurde, konnte mein Sehvermögen in der entscheidenden frühen Phase nicht voll ausreifen.
Heute lebe ich mit einer Sehkraft von etwa 25 % auf dem linken und 5 % auf dem rechten Auge. Da mein Gehirn diese unterschiedlichen Bilder nicht zu einem räumlichen Eindruck zusammensetzen kann, nutze ich primär mein linkes Auge. Im Alltag bedeutet das: Kein Führerschein, die Nutzung von Bus und Bahn und die Tatsache, dass ich Gesichter erst auf kurze Distanz erkenne. Wenn Sie mir also auf der Straße zuwinken und ich nicht direkt reagiere: Bitte sehen Sie es mir nach – ich erkenne Sie wahrscheinlich schlichtweg erst, wenn Sie direkt vor mir stehen! ;-)
Ein Moment tiefer Dankbarkeit: Die Geschichte meiner Tochter
Ein Thema, das mich zutiefst bewegt, ist die Geschichte meiner Tochter. Sie hat den Katarakt von mir geerbt. Doch dank des medizinischen Fortschritts und einer frühen Diagnose wurde sie bereits mit zehn Wochen operiert. Heute, mit fünf Jahren, hat sie eine Sehkraft von über 70 % auf beiden Augen erreicht. Zu wissen, dass sie später einmal mit Kunstlinsen fast normal sehen wird, macht mich unbeschreiblich glücklich. Es zeigt mir, wie wertvoll jeder Fortschritt in der Wahrnehmung ist.
Was das für meine Musik bedeutet
Auf der Bühne komme ich hervorragend zurecht. Vielleicht gerade weil meine Augen weniger „Informationen“ verarbeiten, schärfen sich meine anderen Sinne. Das Lesen langer Texte oder Notenblätter fällt mir schwer – deshalb habe ich aus der Not eine Tugend gemacht: Die „Blind Performance“.
Ich verinnerliche jeden Song, jedes Riff und jede Zeile so tief, dass ich kein Tablet und kein Notenblatt brauche. Das erlaubt mir eine Freiheit, die ich niemals missen möchte. Wenn ich spiele, bin ich nicht durch visuelle Reize abgelenkt. Ich höre die Stille im Raum, das Klirren der Gläser, das Atmen des Publikums. Ich bin zu 100 % präsent – für die Musik und für EUCH.

Wenn die Welt zum ersten Mal scharf wird und die Musik den Weg weist.